
Loslassen – August 2026
Ein Gedanke zum Mitnehmen
Wenn dein Leben reicher werden darf als das, was du bisher kennst
HERZLICH WILLKOMMEN!
Es gibt Entscheidungen in unserem Leben, die wir lange vor uns herschieben.
Wir wissen längst, was wir wollen und trotzdem fällt es uns schwer, den nächsten Schritt zu gehen. Denn das Treffen einer Entscheidung kann auch bedeuten, etwas zurückzulassen, das eigentlich gar nicht so schlecht ist.
Einen sicheren Arbeitsplatz
Ein vertrautes Zuhause
Menschen, die uns wichtig sind
Gewohnheiten, die uns Halt geben
Ein Leben, das funktioniert.
Warum sollte ich etwas verändern, wenn doch eigentlich alles in Ordnung ist?
Ich kenne diese Frage sehr gut.
Ende März 2024 habe ich meinen Job gekündigt, in dem ich mehr als sechs Jahre beschäftigt war und zahlreiche prägende Momente erleben durfte.
Meine Frau und ich haben unsere Wohnung aufgelöst, Möbel und nahezu unser gesamtes Inventar verkauft, uns in Deutschland abgemeldet und sind auf eine gemeinsame Mindful Journey um die Welt aufgebrochen.
Eine Reise, von der wir nicht wussten, wohin sie uns genau führen würde.
Wenn ich heute darauf zurückblicke, könnte ich schnell zu der Annahme kommen, dass ich damals vor etwas weggelaufen bin.
Aber genau dem ist nicht so.
Mein damaliger Job hat mir viel Freude bereitet, unser Zuhause war gemütlich und ein schöner Rückzugsort, unser Leben bunt.
Es gab keinen großen Bruch und keinen Moment, in dem ich dachte: Ich muss hier raus.
Da war vielmehr etwas anderes:
Der Drang nach Freiheit, nach weniger Funktionieren, nach weniger Verantwortung, nach dem Gefühl, wieder neugierig sein zu dürfen.
Ich hatte den Wunsch zu erfahren, wie es sich anfühlt, nicht schon zu wissen, was morgen passiert. Da war die Sehnsucht, andere Kulturen kennenzulernen, neuen Lebensmodellen zu begegnen und die Welt nicht länger nur aus der Perspektive meines bisherigen Lebens zu betrachten.
Vielleicht wollte ich auch der Frage nachgehen, wer ich eigentlich bin, wenn ein großer Teil dessen wegfällt, über den ich mich bis dahin definiert hatte.
Heute glaube ich, dass genau darin eine besondere Form des Loslassens liegt.
Zu gehen, obwohl eigentlich alles in Ordnung ist. Weil du merkst, dass das eigene Leben reicher werden darf als das, was du bereits kennst.
Mit diesem Gedanken heiße ich dich herzlich willkommen zum NUANU Denkraum im August.
Ich wünsche dir von Herzen einen stillen Moment, in dem du beim Lesen nicht nur über das Loslassen nachdenkst, sondern auch über das, was in deinem eigenen Leben noch entdeckt werden möchte.
»» NUANU-DENKRAUM ««
ANKOMMEN
Im April 2024 saß ich irgendwann auf gepackten Koffern.
Nicht im wörtlichen Sinne. Aber unsere Wohnung war bereits aufgelöst. Die meisten Dinge, die uns über Jahre begleitet hatten, waren verkauft oder hatten wir verschenkt. Mein beruflicher Alltag, der über sechs Jahre hinweg einen festen Platz in meinem Leben eingenommen hatte, war beendet.
Und plötzlich war da sehr viel Raum.
Raum, der sich zunächst frei anfühlte, aber auch ungewohnt war.
Ich durfte erfahren, dass selbst Freiheit zunächst etwas Verunsicherndes an sich haben kann, wenn du lange in einem bestimmten Rhythmus gelebt hast.
Plötzlich fehlte die gewohnte Struktur, an der ich mich tagtäglich orientieren konnte. Es gab keine beruflichen Termine, die den Tag bestimmten. Keine vertraute Wohnung, in die wir abends zurückkehren konnten. Keine genaue Vorstellung davon, wie die nächsten Wochen und Monate aussehen würden.
Stattdessen begleitete mich von nun an eine Frage: Was kommt als Nächstes?
Gemeinsam mit meiner Frau sind wir auf unsere Mindful Journey aufgebrochen. Unser erstes Ziel war der Süden der Türkei – Kirgistan, China, Tibet, Nepal, Indien und viele weitere Destinationen sollten folgen.
Doch bevor die Reise zu einer Reise durch verschiedene Länder wurde, war sie zunächst etwas anderes: Ein Loslassen.
Ein Loslassen von Verantwortung, Kontrolle und der Vorstellung, dass ich bereits wissen müsste, wie mein Leben weitergeht. Und vielleicht musste ich auch ein Stück weit die Vorstellung loslassen, dass mein wahrer Wert davon abhängt, was ich leiste.
Das Bemerkenswerte daran war, dass sich dieses Loslassen nicht wie ein Verlust angefühlt hat.
Selbstverständlich gab es Momente, in denen Zweifel aufkamen, oder ich mich gefragt habe, ob diese Entscheidung wirklich richtig war. Ich zerbrach mir den Kopf darüber, ob wir eventuell zu viel aufgegeben hatten, ich meinen alten Job irgendwann vermissen würde oder wir unsere Sicherheit leichtfertig gegen etwas eingetauscht hatten, dessen Ausgang niemand vorhersehen konnte.
Aber gleichzeitig war da diese unaufhaltsame Neugier nach, wie fühlt es sich an:
wenn ein Tag nicht von Leistung bestimmt wird?
morgens aufzuwachen und nicht zu wissen, was der Tag bereithält?
Menschen aus anderen Kulturen kennenzulernen und für eine Weile die eigene Perspektive zu verlassen?
einfach nur zu sein?
Es war genau diese Neugier, die mich antrieb. Nicht die Unzufriedenheit mit dem Alten, sondern die Offenheit für das Neue.
Diese Erfahrung begleitet mich bis heute. Veränderung muss nicht immer aus einer schwierigen Situation heraus entstehen. Sie kann genauso aus dem Wunsch wachsen, etwas Neues kennenzulernen, eine andere Erfahrung zu machen oder die eigene Perspektive zu erweitern.
Ich glaube, dass wir Menschen derartige Momente alle kennen.
Wir schnappen in der Straßenbahn ein Gespräch auf und plötzlich beginnt sich etwas in uns zu bewegen, obwohl im Außen eigentlich alles funktioniert. Eine Frage taucht auf oder eine Sehnsucht wird spürbar. Wir werden neugierig auf eine Möglichkeit, die bisher keinen Platz in unserem Leben hatte.
Bei mir war es damals die Frage, wie es sich anfühlen würde, für eine Weile aus meinem bisherigen Leben auszusteigen und mich auf etwas einzulassen, dessen Ausgang ich nicht kannte.
Ich wollte es nicht nur verstehen, sondern mit meinen eigenen Sinnen erleben und erfahren.
Was würdest du gerne einmal erfahren, ohne zu wissen, wohin es dich führt?
NUANU-IMPULS
Wenn Neugier zum Aufbruch führt
Ich glaube, dass wir Loslassen häufig mit einem Abschied verbinden. Wir lassen etwas hinter uns, weil es uns nicht mehr guttut, weil eine Situation zu belastend geworden ist, eine Beziehung nicht mehr funktioniert oder eine berufliche Aufgabe irgendwann mehr Kraft kostet, als sie uns zurückgibt. In solchen Momenten scheint die Entscheidung zum Loslassen beinahe zwangsläufig. Sobald etwas nicht mehr zu uns passt, entsteht irgendwann automatisch der Wunsch nach Veränderung.
Doch meine eigene Erfahrung hat mir gezeigt, dass Loslassen auch aus etwas anderem entstehen kann: aus der Neugier auf das, was noch vor uns liegt. Denn das, was wir zurücklassen, muss nicht schlecht geworden sein. Es kann ein Arbeitsplatz sein, an dem wir über Jahre gewachsen sind, ein Zuhause, in dem wir uns wohlgefühlt haben, Menschen, die uns ans Herz gewachsen sind, oder ein Alltag, der uns Sicherheit und Struktur gegeben hat.
All das kann wertvoll sein und trotzdem den Wunsch in uns entstehen lassen, etwas anderes kennenzulernen, neue Erfahrungen zu machen und herauszufinden, wie sich das eigene Leben anfühlt, wenn wir es für eine Weile anders gestalten.
Genau darin liegt für mich eine besondere Form von Veränderung. Wir verlassen das Vertraute nicht, weil wir es ablehnen, sondern weil wir spüren, dass das Leben noch andere Erfahrungen für uns bereithält.
Es ist möglich, dass diese Bewegung zunächst ganz allmählich entsteht. Vielleicht taucht eine Frage auf, eine Sehnsucht wird spürbar oder wir merken, dass uns die Vorstellung eines anderen Lebens zunehmend neugierig macht. Und plötzlich steht nicht mehr nur die Frage im Raum, ob das bisherige Leben so noch funktioniert, sondern auch, welche Optionen darüber hinaus realistisch umsetzbar wären.
Aus meiner eigenen Geschichte kenne ich diesen Gedanken sehr gut.
Ich musste damals nichts hinter mir lassen, weil es nicht mehr auszuhalten gewesen wäre. Ganz im Gegenteil mein Leben erfüllte mich sehr. Und gerade deshalb war die Entscheidung und vor allem der Entscheidungsprozess alles andere als ein Selbstläufer für mich.
Ich musste mir selbst erlauben, etwas loszulassen, das mich eigentlich erfüllte, ohne dafür eine wirklich plausible Begründung zu haben. Am Ende war es die Neugier darauf, wie sich ein anderes Leben anfühlen könnte, die Instanz, die den entscheidenden Ausschlag gab.
Viele von uns kennen derartige Herausforderungen, da bin ich mir sicher.
Und doch erlauben wir uns Veränderung häufig erst dann, wenn wir sie rechtfertigen können. Wenn etwas nicht mehr funktioniert, wenn der Leidensdruck groß genug geworden ist oder wenn wir irgendwann sagen können: Jetzt ging es wirklich nicht mehr anders.
Dabei kann Veränderung auch aus einer ganz anderen Kraft entstehen: aus dem Wunsch nach Freiheit, aus einer Sehnsucht nach Lebendigkeit oder aus der einfachen Frage, wie sich das eigene Leben anfühlen würde, wenn wir für eine Weile einen anderen Weg einschlagen.
Was wäre, wenn du etwas verändern dürftest, obwohl eigentlich alles in Ordnung ist?
Was könnte in deinem Leben entstehen, wenn nicht die Unzufriedenheit mit dem Bestehenden, sondern deine Neugier auf das Kommende den nächsten Schritt bestimmen dürfte?
Für mich war das Loslassen deshalb kein Weg-von, sondern vor allem ein Weg-hin-zu.
- Hin zu mehr Freiheit, zu neuen Erfahrungen und zu Begegnungen mit Menschen und Kulturen, die meine bisherige Perspektive erweitern konnten.
- Hin zu einem Leben, in dem nicht jede Entscheidung von Sicherheit und Planbarkeit bestimmt sein musste und in dem ich Verantwortung auch einmal abgeben durfte.
- Und auch hin zu einer Seite von mir selbst, die in meinem bisherigen Alltag vielleicht weniger Raum bekommen hatte.
Heute bedeutet Loslassen für mich deshalb nicht in erster Linie Abschied.
Sondern vielmehr etwas Vertrautes mit Wertschätzung zurückzulassen und gleichzeitig offen zu werden für Neues, was dadurch entstehen kann.
Natürlich gibt uns Neues nicht zwangsläufig die Gewissheit und Garantie dafür, dass alles besser wird. Aber es ebnet uns den Weg, etwas zu erfahren, das wir bisher noch nicht kennen.
Deshalb brauchen wir für Veränderung nicht immer einen Grund, der gegen das Alte spricht.
Mitunter reicht ein Grund, der für das Neue spricht: Ich möchte noch etwas kennenlernen.
PERSPEKTIVEN-WECHSEL
Vielleicht lohnt es sich deshalb, die Frage nach dem Loslassen einmal umzudrehen.
Nicht zu fragen: Was möchte ich endlich loswerden?
Sondern: Was möchte ich kennenlernen, wenn ich etwas Vertrautes nicht länger festhalte?
Wenn wir über Veränderung nachdenken, richtet sich unser Fokus häufig zuerst auf das, was wir verlieren könnten. Wir denken an Sicherheit, an finanzielle Unabhängigkeit, an Gewohnheiten und an die Reaktionen unseres Umfelds. Wir fragen uns, ob eine Entscheidung den erhofften Mehrwert verspricht oder ob wir sie später vielleicht sogar bereuen. Diese Gedanken sind nachvollziehbar und haben ihre Berechtigung. Denn sobald wir uns von dem Vertrauten abwenden, geben wir zwangsläufig auch ein Stück Kontrolle ab.
Auf meiner Reise habe ich irgendwann verstanden, dass diese Perspektive zwar gerechtfertigt ist, aber eben nur eine Hälfte der Wahrheit erzählt. Denn neben der Frage, was wir verlieren könnten, steht auch die Frage, was neu entstehen könnte.
- Welche Menschen könnten wir kennenlernen?
- Welche Erfahrungen könnten wir machen?
- Was könnten wir über uns selbst erfahren, wenn wir uns aus dem gewohnten Rahmen herausbewegen?
Vielleicht würden plötzlich Fähigkeiten sichtbar, die bisher kaum gebraucht wurden oder in Vergessenheit geraten sind. Oder eine Seite unseres Lebens bekäme Raum, für die im bisherigen Alltag nur wenig Platz war.
Fakt ist, wir können die Zukunft trotzdem nicht vollständig kennen. Wir können planen, Risiken abwägen und versuchen, möglichst viele Eventualitäten zu berücksichtigen. Irgendwann geraten wir jedoch an den Punkt, an dem wir entscheiden müssen, ob wir dem Unbekannten überhaupt eine Chance geben wollen.
Für mich bedeutete das damals, dass ich nicht wissen musste, ob die Reise die richtige Entscheidung war. Vielmehr wollte ich es herausfinden. Ich musste sie durchleben, mich darauf einlassen und spüren, wie es sich anfühlt, wenn ein Leben, das bisher von Sicherheit, Struktur und Verantwortung geprägt war, plötzlich völlig anders aussieht.
Dabei habe ich auch gelernt, dass Vertrauen nicht unweigerlich bedeutet, davon auszugehen, dass keine Herausforderungen auf uns warten. Vertrauen kann auch bedeuten, bereit zu sein einen Schritt ins Unbekannte zu wagen und offen dafür zu sein, was daraus entstehen kann.
Manche Antworten finden wir eben nicht dadurch, dass wir noch länger über eine Möglichkeit nachdenken. Wir bekommen sie erst zu fassen, wenn wir einen Schritt gehen und erfahren, was dieser Schritt mit uns macht. Erst dann können wir wirklich spüren, ob uns der eingeschlagene Weg tatsächlich zusagt und welche Möglichkeiten sich dahinter eröffnen.
Ich glaube, dass genau darin eine besondere Qualität des Loslassens liegt.
Darauf zu vertrauen, dass Loslassen nicht immer ein Zeichen dafür ist, dass etwas in unserem Leben nicht stimmt oder wir mit dem Bestehenden unzufrieden sind. Sondern es genauso bedeuten kann, dass wir bereit sind, unser Leben nicht ausschließlich nach dem zu gestalten, was wir bereits kennen und einschätzen können.
Und vielleicht ist das auch ein Gedanke, der sich auf viele andere Lebenssituationen übertragen lässt. Wir dürfen Vertrautes loslassen und freigeben, um überhaupt Platz für Neues zu schaffen.
Vielleicht darf das Leben manchmal mehr sein, als wir uns vorstellen können.
MINI-PRAXIS
Ich lege dir ans Herz in den kommenden Tagen einen Moment der Ruhe einzunehmen. Denke hier an einen Bereich deines Lebens, den du gerne verändern möchtest. Ganz egal, was es ist.
Gegebenenfalls fällt dir eine Situation ein, bei der du immer wieder denkst: So kann es eigentlich nicht weitergehen. Bleibe gerne einen Augenblick mit deiner Aufmerksamkeit bei diesem Gedanken und nimm wahr, worauf sich dein Blick dabei richtet.
Dann verschiebe deine Perspektive, in dem du deinen Fokus von der Frage „Wovon möchte ich weg?“ hin zu „Wohin möchte ich eigentlich?“ lenkst.
Was möchtest du stattdessen erleben? Ist es mehr Freiheit, Ruhe, Lebendigkeit, Klarheit, Verbindung oder etwas ganz anderes?
Formuliere deine Antwort nicht als Ziel, welches du unbedingt erreichen musst, sondern gerne als eine Erfahrung, die du erleben möchtest.
Ich möchte erleben, dass…
Anschließend lade ich dich ein einen Schritt weiterzugehen. Stelle dir nun vor, du hättest bereits begonnen, dich in diese Richtung zu bewegen.
Was wäre dann anders?
Und…
- Woran würdest du es bemerken?
- Wie würdest du dich verhalten?
- Was würde ein Mensch, der dich gut kennt, an dir wahrnehmen?
Setze dich bitte nicht unter Druck, du musst dabei keine außergewöhnliche Lösung finden. Zunächst geht es lediglich darum, deine Aufmerksamkeit auf das zu richten, was neu entstehen soll, fern von dem Gedanken was sich verändern muss.
Zum Abschluss frage dich:
Welchen Schritt könnte ich in den nächsten Tagen ganz konkret tun, um dieser Erfahrung ein kleines Stück näher zu kommen?
Vielleicht ist es ein Gespräch, das du schon länger aufschiebst. Eine Grenze, die du in deiner Beziehung setzen möchtest. Ein Zeitfenster, das du dir bewusst freihältst. Oder etwas, das du gerne einmal ausprobieren möchtest.
Du musst dafür noch nichts loslassen. Es ist zunächst völlig ausreichend, die Richtung zu kennen.
Denn meistens beginnt Veränderung nicht mit einem großen Schritt, sondern damit, dass wir anders auf das schauen, was vor uns liegt.
REFLEXIONSKARTE – AUGUST 2026
Als Ergänzung zum heutigen Impuls erhältst du deine persönliche NUANU-Reflexionskarte. Im August möchte ich dich nicht dazu einladen, darüber nachzudenken, was in deinem Leben nicht funktioniert, sondern deinen Fokus darauf zu lenken, was du längst wieder entdecken möchtest.
So darf dir die Reflexionskarte erneut als kleiner Anker dienen und dich mit einigen Fragen und Gedanken durch den Monat August begleiten.
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MINDFUL JOURNEY 2024-2025
EINE BEGEGNUNG, DIE MIR DIE AUGEN GEÖFFNET HAT
Wenn ich heute an meine Mindful Journey zurückdenke, gibt es so viele besondere Orte und Momente, die mir geblieben sind. Einer davon führt mich zurück in die Hauptstadt Nepals nach Kathmandu.
Nach einer zweiwöchigen Reise durch Tibet saß ich eines Abends im wunderschönen Garten unseres ROKPA Guest Houses und spielte ein paar Klänge auf meiner Handpan. Es war einer dieser ruhigen Abende, an denen der Tag langsam ausklingt und nichts mehr getan werden muss.
Irgendwann setzte sich eine Frau zu mir und lauschte meinen Klängen. Ihr Name war Shirly.
Nach einer Weile kamen wir ins Gespräch und sie erzählte mir von ihrem Leben, ihrer Hinwendung zum Buddhismus und davon, dass sie aus Israel vor dem Krieg geflohen war und ihre Familie zurücklassen musste.
Sie vertraute mir ihre Gedanken an, erzählte von ihrer Flucht und von der Sorge um ihre Familie, die sie zurücklassen musste. Während wir miteinander sprachen, wurde mir plötzlich bewusst, wie sehr ich selbst an diesem Tag mit meiner Entscheidung für diese Reise gerungen hatte. Ich hatte Zweifel, fragte mich, ob dieser Weg wirklich der richtige für mich war und ob ich irgendwann bereuen würde, was wir zurückgelassen hatten.
Und nun saß ich einem fremden Menschen gegenüber, dessen Situation mit meiner nicht im Ansatz vergleichbar war. Shirly hatte ihre Familie nicht aus Neugier auf ein anderes Leben zurückgelassen. Sie hatte keine freie Wahl, sondern war gegangen, weil die äußeren Umstände es notwendig gemacht hatten.
Dieser Augenblick ließ mich meine eigene Situation plötzlich mit anderen Augen sehen.
Unvermittelt spürte ich eine tiefe Dankbarkeit und Demut in mir für die Freiheit, die ich besaß. Für die Möglichkeit, diese Reise aus freien Stücken anzutreten und für das Privileg, loslassen zu dürfen, nicht weil ich mit meinem bisherigen Leben unzufrieden war, sondern weil ich neugierig darauf war, was das Leben noch für mich bereithielt.
Dieses Abendgespräch hat meine eigene Perspektive bis heute verändert und den weiteren Verlauf meiner Reise nachhaltig beeinflusst. Und zwar nicht, weil Shirly mir einen Ratschlag gegeben hätte, sondern weil unsere Begegnung mich etwas erkennen ließ.
Sie hat mir gezeigt, wie schnell die eigenen Zweifel den Blick auf das verengen können, was eigentlich möglich ist.
Seit diesem Abend begleitet mich die Erinnerung an unsere Begegnung. Sie erinnert mich daran, dass wir manchmal so sehr mit unseren eigenen Fragen beschäftigt sind, dass wir vergessen, aus welcher Freiheit heraus wir manche dieser Fragen überhaupt stellen dürfen.
Und mitunter braucht es hierfür einen anderen Menschen, eine andere Geschichte oder einen unerwarteten Moment, der den eigenen Blick wieder weitet.
Dieses Gespräch im Garten von Kathmandu ist mir bis heute geblieben, und es ruft mir ins Gedächtnis, wie sehr eine Begegnung die eigene Perspektive verändern kann.



HANDPAN & YOGA
WENN KLANG HERZEN BERÜHRT
In den vergangenen Wochen durfte ich die Handpan wieder auf eine ganz besondere Weise erleben. Ich hatte die Möglichkeit, verschiedene Yoga-Klassen musikalisch zu begleiten, von Restorative Yoga über Yin Yoga bis hin zu Vinyasa, und dabei immer wieder zu spüren, wie unmittelbar Klang, Bewegung und Wahrnehmung miteinander verbunden sein können.
Was mich dabei besonders fasziniert, ist die ganz unterschiedliche Wirkung der Klänge. Manche scheinen Menschen unmittelbar zu erreichen, lassen sie weicher werden, tiefer atmen oder leichter loslassen. Andere wirken zunächst befremdlich oder lösen sogar Widerstand aus. Ein Klang kann sanft und einladend sein, ein anderer irritieren oder etwas berühren, das wir vielleicht lieber nicht anschauen möchten.
Für mich liegt genau darin die besondere Kraft der Handpan. Sie schreibt nicht vor, was geschehen soll, sondern öffnet vielmehr unterschiedliche Türen und überlässt es jedem Menschen selbst, hindurchzugehen oder sie geschlossen zu halten.
Diese Erfahrung begleitet mich inzwischen auch außerhalb des Yoga. Ganz egal, wo die Klänge der Handpan auch gespielt werden. Denn ich merke, dass die Handpan nicht einfach nur eine Praxis auf der Matte begleitet. Genauer gesagt schafft sie einen zusätzlichen Raum für Wahrnehmung, in dem etwas entstehen darf, ohne dass wir es erzwingen müssen.
Und diesen Raum möchte ich gerne auch in anderen Yogaklassen öffnen. Wenn du also deine Yoga-Stunde einmal mit den Klängen der Handpan begleiten lassen möchtest, komme ich gerne zu dir ins Studio oder zu deinem Yoga-Event. Für eine einzelne Stunde, zwei Stunden oder einfach für einen besonderen, gemeinsamen Moment.
Womöglich öffnet sich dabei eine Tür, mit der vorher niemand gerechnet hat.
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Wenn dich die NUANU-Impulse begleiten sollen und du künftig keinen Denkraum verpassen möchtest, freue ich mich über deine Anmeldung zum Newsletter.
Wenn ich heute auf den April 2024 zurückblicke, denke ich nicht mehr zuerst an das, was ich damals zurückgelassen habe.
Ich denke an das, was dadurch möglich wurde: an Menschen, denen ich begegnen durfte, an Kulturen, die meinen Blick auf die Welt erweitert haben, an Momente, die ich niemals hätte planen können, und an all die kleinen Erfahrungen, die mir gezeigt haben, wie anders sich Leben anfühlen kann, wenn wir nicht für alles bereits eine Antwort parat haben.
Hierin habe ich eine andere Seite des Loslassens erfahren dürfen.
Heute bin ich der festen Überzeugung, dass wir nicht für jede Veränderung einen triftigen Grund brauchen. Stattdessen reicht eine Sehnsucht, eine Frage oder die Neugier darauf, wie sich etwas anfühlen könnte, das wir bisher noch nicht in unser Leben eingeladen haben.
Wir müssen nicht immer wissen, wohin ein Weg führt, bevor wir ihn gehen. Mitunter ist es ausreichend, dem Leben mit Offenheit zu begegnen, dem Unbekannten eine Chance zu geben und darauf zu vertrauen, dass wir unterwegs erfahren werden, was für uns daraus entstehen kann.
Daher ist Loslassen nicht immer der Moment, in dem wir etwas verlieren. Es kann auch der Moment sein, in dem wir dem Leben erlauben, uns etwas zu zeigen, das wir bisher noch nicht kennen.
Ich danke dir von Herzen, dass du dir die Zeit für diesen August-Denkraum genommen hast.
Bis zum nächsten Monat wünsche ich dir die Offenheit, deiner eigenen Neugier wieder etwas mehr Raum zu geben und den Mut, dort etwas loszulassen, wo nicht das Alte schlecht geworden ist, sondern das Neue darauf wartet, entdeckt zu werden.
Von Herzen alles Liebe
Andreas Kellermann-Gerlach
NUANU. Consulting

